Es ist relativ offensichtlich, wofür ein Mann über Bord Manöver benötigt
wird: Man möchte möglichst schnell die überbordgefallene Freundin wieder
hereinholen (hoffentlich). Es eignet sich natürlich auch für überbordgegangene
Mützen, Eimer oder alles, was sich 30 Sekunden über Wasser halten kann.
Ablauf Allgemein
Alarm schlagen: Mit "Mann über Bord" wird laut auf
diese Ausnahmesituation hingewiesen. Es ist ein "All-Hands-Manöver", d.h. dass
auch schlafende Leute aus den Kojen geholt werden oder der Kuchen nicht erst
aufgegessen wird.
Sichtkontakt halten: Es wird eine Person abgestellt,
die nichts anderes macht, als die Person im Auge zu behalten. Hier hat es sich
bewährt, immer mit einer Hand auf die überbordgegangene Person zu zeigen.
Selbst wenn bei hohem Wellengang die Person teilweise nicht mehr zu sehen ist,
wird so die Richtung einigermaßen zuverlässig festgehalten.
Rettungsmittel: Abhängig von den Umständen werden
Rettungsmittel (Schwimmhilfen, Leuchtmaterialien, ...) ausgebracht. (Auf einer
kleinen Jolle wird man höchstwahrscheinlich darauf verzichten)
Manöver: Ziel muss es sein, möglichst schnell zum Überbordgegangenen
zurückzukehren ohne dass man den Abstand zu groß werden läßt. Beim Annähern an
die Person (meist beim Aufschießen) darf diese natürlich auch nicht zu Schaden
kommen.
Es gibt verschieden Mann über Bord Manöver, die abhängig von Kurs und
Wetterlage gewählt werden sollten.
Dieses "Mann über Bord Manöver" ist das gängigste und wird Segelanfängern als
erstes beigebracht. Es eignet sich für starken Wind, man benötigt wenig
Besatzung und man kann dieses Manöver aus allen Kursen fahren.
Möglicher Kurs: Alle Kurse Bevorzugter Kurs: Raumer Wind bis halber
Wind
Auf Amwindkursen bietet es sich an, den Kurs ein wenig zu halten, dann eine
koordinierte Halse zu fahren und zum Überbordgegangenen zurückzukehren. Bei
starkem Wind und Jollen muss man sich aber immer überlegen, ob man wirklich
eine Halse fahren möchte. Bei größeren Booten ist die Frage, ob man
gerade genügend Besatzung parat hat.
Dieses Manöver ist nur für Hochamwindkurse geeignet. Der
Vorteil ist, dass man innerhalb kürzester Zeit wieder beim Überbordgefallenen
ist und man sich nicht weit von ihm entfernt hat. Der
Nachteil ist, dass man sehr schnell reagieren muss.
Muss-Kurs: Hoch am Wind.
Quickstop-Manöver
Dieses Manöver ist nur für Amwindkurse geeignet. Es wird
sofort gewendet, wobei die Schoten belegt bleiben. Es folgt unmittelbar eine Halse und ein Aufschießer. Der eindeutige Vorteil ist,
dass man innerhalb kürzester Zeit wieder beim Überbordgefallenen ist und sich
nicht weit von ihm entfernt.
Bervorzugter Kurs: Am Wind bis max. halber Wind.
Das englische Manöver
Es wird sofort beigedreht; dies verhindert, dass der Abstand zum
Überbordgegangenen zu groß wird. Der Motor wird gestartet, die Fock geborgen,
das Groß dicht genommen und das Manöver wird wie das MOB-Manöver unter Motor
gefahren. Offensichtlich ist dieses Manöver nur auf Jachten sinnvoll, die
auch über einen Motor verfügen.